
Wie wahr, wie wahr….. Und wisst ihr was das Wichtigste ist, dass diese verdammten Abenteuer zuerst im Kopf sind! Zuerst sollten sie nämlich dort sein, damit man sie dann umsetzen kann. Ich möchte Euch bei dieser Gelegenheit gleich vorwarnen: im „Tipps geben“, wenn andere Probleme haben, bin ich Weltmeister, nur bei meinen eignen sehe ich mich des Öfteren nicht raus…..
Also, im Kopf….. Naja, seit gestern habe ich die Dinge zumindest im Kopf: Umzug zurück nach Wien, Wohnung suchen, Schule suchen für die Kinder (so ich sie überhaupt überzeugen kann, mit mir nach Wien zurückzugehen). Aber alles der Reihe nach: ich lebe seit 18 Jahren im Ausland, habe wegen meines Mannes eine fremde Sprache gelernt, mich an sein Leben angepasst und so langsam mein eigenes Ich verloren. Das habe ich aber natürlich erst sehr langsam bemerkt. Am Anfang war alles mehr als Eitel-Wonne-Sonnenschein. Ich war 17, als ich ihn kennen gelernt habe und es war ein typisches „kam, sah und siegte“-Szenario. Bereits bei unserer ersten Begegnung wusste ich, dass ist der Mann fürs Leben. Nach vier Jahren haben wir geheiratet, nach weiteren sechs Jahren kam mein erster Sohn, nach weiteren 16 Monaten der zweite (bevor jetzt jemand umständlich zum Rechnen anfängt: meine Söhne sind 16 und 15 Jahre alt). Die perfekte Familie war geboren……. Ich war derartig im rose Nebel versunken, dass ich sehr viel gar nicht wahrgenommen habe. Erst so nach und nach habe ich bemerkt, dass das vielleicht doch nicht soooo perfekt ist. Wobei ich dazu sagen muss, dass mein Umfeld bis heute der Meinung ist, dass wir perfekt zueinander passen und dass wir überhaupt die Musterfamilie schlecht hin sind. Kein Mensch weiß natürlich, wie viel Energie mich das kostet und es gibt auch nur ganz Wenige, die überhaupt verstehen, worüber ich rede. Mein Mann trinkt nicht, hat (zumindest weiß ich nichts davon) keine anderen Frauen, schlägt uns nicht und ist ein nahezu perfekter Vater. „Was willst Du mehr“, fragen mich einige meiner so genannten Freundinnen. Nun, eine ganze Menge: Ansprache, Verständnis, Austausch, Anerkennung, „sich mit mir auseinandersetzen“, zuhören. Kommt das bitte irgendjemandem bekannt vor, oder bin ich wirklich allein auf der Welt mit diesen Ansprüchen. Es kann doch nicht genügen, dass ein Partner „gut“ zu einem ist, oder?!?!? Ich selbst habe mir jahrelang Vorwürfe gemacht, weil ich doch eigentlich zufrieden sein könnte und es nicht bin. Es kann doch bitte einem anderen Menschen nicht angerechnet werden, wenn er NICHT brutal ist, NICHT betrügt und NICHT das Geld versäuft. Das sind für mich eigentlich Voraussetzungen, dass eine Partnerschaft überhaupt in Erwägung gezogen wird, oder? Seit wir uns kennen gelernt habe, habe ich mich sehr verändert, ob das jetzt positiv oder negativ ist, bleibt dahingestellt, aber ich bin der Meinung, dass wir auf dieser Welt sind, um zu lernen und das zieht eine Veränderung in jedem Fall nach sich. Mein Mann ist heute noch so, wie vor 26 Jahren. In seiner Meinung, in seinem Verhalten, in seiner Sprache, in seinen Interessen, einfach in allem. Er ist übrigens gleich alt wie ich, man kann also auch nicht davon sprechen, dass er halt einfach eine andere Generation ist. Die Entscheidung, dass ich in seine Heimat ziehe und nicht er nach Wien, ist rückwirkend betrachtet, eigentlich auch typisch für ihn: nur keine Veränderungen. Ich muss dazu sagen, dass dieses Ausland nicht sooo weit weg ist, aber es ist eine komplett andere Sprache und damit verbunden auch eine andere Kultur. Der Wechsel in dieses neue Leben war ein langsamer. Ich hatte noch zwei Jahre Handelsakademie fertig zu machen und habe danach auch noch fast 8 Jahre in Wien gearbeitet. Sehr zum Missfallen meines Schwiegervaters, der mich gerne nach der Matura als Mutter seiner Enkelkinder zu Hause bei Mann und Kindern gesehen hätte (aber das ist ein eigenes Kapitel). Wir haben also sehr lange eine Wochenendbeziehung geführt, was natürlich unsere Liebe frisch gehalten hat. Keine Zeit für das übliche Socken-Zahnpastatuben-Duschvorhang-Gezetere, dazu war uns die Zeit immer zu schade. Auch als ich schließlich schwanger wurde und ganz zu ihm gezogen bin, hat die Innigkeit unserer Beziehung für mich sehr lange noch angehalten, nur irgendwann war dann der rosa Nebel aufgestiegen und übrig geblieben sind all die Dinge, die immer schon da waren, die ich nur nicht gesehen habe oder sehen wollte. Und diese Dinge kommen mir nun schon seit einigen Jahren wir unter einem Mikroskop vor, ich sehe sie derartig groß und dominierend, dass ich sie einfach nicht mehr wegdiskutieren kann. (ich meine wenn ich mit MIR diskutiere, weil alles andere ist ein Monolog, d.h. ich halte meinem Mann einen Vortrag, eine Bergpredigt oder wie immer man das nennen will, wenn ich so alle zwei drei Monate einen Anfall bekomme und die üblichen Dinge zur Sprache bringe..). Bitte sagt mir, dass ich nicht verrückt bin, sondern dass auch manche von Euch diese „hohen“ Ansprüche haben und sich nicht damit begnügen, dass ein laues Lüfterl durchs Leben weht. Hin und wieder ein stürmischer Tag wäre angebracht, oder?